Kraxel-Katz!
Heute ist mir etwas passiert, das ich bisher nur aus Filmen kannte. Nach einem regelrechten Wortgefecht, das eher nach Walgesang klang, hat sich mein Kater (männliche Katze) zu nächtlicher Stunde mit einem anderen Kater (ebenfalls männliche Katze) angelegt. Nach einer wilden Prügelei verfolgte der Eine den Anderen, wobei ich nicht recht erkennen vermochte, wer da jetzt wem ans Schlafittchen wollte – und vor allem warum?
Möglicherweise wäre durch eine Kastration meines Katers im Vorfeld der Streit gar nicht erst entbrannt, obwohl sich das rückwirkend betrachtet doch eher wie eine Fettabsaugung bei Übergewicht verhält: unnatürlich.

Das Ende vom Lied war, das Kater Nummer Eins (meiner) auf einen Baum flüchtete und Kater Nummer Zwei (nicht meiner) am Fuße des Baumes wartete. Möglicherweise wusste Kater Nummer Zwei in dieser Situation bereits, was Kater Nummer Eins später wissen würde. Jedenfalls waren Beide in ihren Positionen so unnachgiebig und beharrlich, dass mir beim Zuschauen irgendwann zu langweilig wurde. Nach einem Blick auf die Uhr erinnerte ich mich wieder des Abgabetermins eines Projektes an dem ich arbeitete und entstieg der Szenerie.
Eine Stunde verging. Draussen ertönten Geräusche, die sich ganz schnell als Hilferufe meines Katers rausstellten. Kater Nummer Zwei (nicht meiner) schien des Wartens ebenfalls überdrüssig geworden zu sein und hatte den Schauplatz des Geschehens verlassen. Einzig Kater Nummer Eins (meiner) befand sich noch immer auf dem Baum, den er eine Stunde zuvor im Eiltempo erklommen hatte und maunzte unentwegt. Er schien zwar problemlos auf den Baum hinauf gekommen zu sein, hatte allerdings Schwierigkeiten beim Hinabklettern.
“Na toll”, dachte ich, “er hat Höhenangst.” Da ich nun ungewollt wieder Teil der Szene wurde und sonst wohl keiner wach bzw. interessiert genug war, musste ich zur Klärung der Situation dann doch vor die Tür. Bewaffnet mit einer Taschenlampe kämpfte ich mich zunächst durch Sträucher und Wildwuchs und spürte kurzzeitig das Verlangen nach einer Machete. Doch mitten in der Stadt mit einer Machete bewaffnet auf das Gestrüpp meines Nachbarn loszugehen könnte möglicherweise wilde Vergleiche zu Axtmördern mit sich ziehen. Und da ich sowieso keine Machete besaß, war der Gedanke auch schnell wieder uninteressant, als ich endlich den Baum erreichte, auf dem mein Kater noch immer maunzend und flehend saß.
Ich begann also nach einer kurzen Einschätzung meiner körperlichen Fitness und der Lebenskraft des Baumes, selbigen zu besteigen. Manche frühen Erfahrungen aus der Kindheit zahlen sich dann doch irgendwann aus. In diesem Fall sogar für uns beide – meinen Kater und mich. Auf dem Weg nach oben entfernte ich zunächst alle möglichen Gefahrenquellen, in diesem Fall die spitzen Stümpfe abgerissener Äste, welche ich ungern zwischen meine Rippen gebohrt erleben wollte. Nach einer kurzen Begrüßung machte ich meinem Kater ebenfalls den Weg frei und positionierte ihn auf meiner Schulter. Dummerweise wollte er da nicht so recht sitzen bleiben und rollte sich lieber eng um meinen Nacken – glücklicherweise ohne dabei seine Krallen auszufahren und mir ins Fleisch zu bohren.
Nach einer Neubewertung meines veränderten Gewichtes und erneutem Auspeilen meines Mittelpunktes waren wir also für den Abstieg bereit. Bei so viel Verantwortung ist es nicht erstaunlich, dass der Organismus gleich Adrenalin durchs Blut schießt, was sich schnell in neu gewonnenen Superkräften wie Stärke und besserer Sicht widerspiegelt. Und auch die Erkenntnis, dass sich mit jedem weiteren gekletterten Schritt die Fallhöhe reduziert, ist nüchtern betrachtet äußerst beruhigend, obwohl der Gedanke ans Fallen beim Klettern auch nicht wirklich produktiv ist.
Hier sind wir also wieder. Zurückgekehrt vom Abenteuer in die gewärmte sichere Umgebung haben wir beide wieder unseren Lieblingsbeschäftigungen gewidmet. Ich sitze am Rechner und mein Kater Nummer Eins ist schnurrend und zufrieden eingeschlafen.
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