Klamottenkauf

Ich war noch nie ein Freund vom Shopping, also Einkaufsbummeln. Menschenmassen und genervte Verkäufer wirkten eher destruktiv auf meinen Gemütszustand, sodass ich entweder nie etwas fand, das mir gefiel, oder gleich soviel kaufte, dass sich in der Masse an gekauftem Schrott die ein oder andere sinnvolle Investition wiederfand. Insbesondere beim Klamottenkauf kann das eine teure Angelegenheit werden.

Glücklicherweise wurde für Leute wie mich das Internet erfunden. Naja, zumindest gefunden. Und zwar in Form von Online-Shops, die zumindest die nötige Distanz gewähren, auch mal länger über einen Kauf nachzudenken, ohne dass sich ein Verkäufer seiner Zeit beraubt fühlen müsste.

So kaufte ich wieder einmal Kleidung im großen Stil, also alles was im Winter so zu gebrauchen wäre. “Wärmend” war der Leitgedanke. Dazu gehörten u.a. einige wärmende Pullover, Shirts, eine Hose und weil es gerade so viel Spaß machte, noch ne ganze Reihe anderer Dinge, die in Farbe und Form sinnvoll miteinander zu kombinieren wären.

Die Lieferung erfolgte einige Tage später, da ich via Vorkasse gezahlt hatte, und es Banken noch immer nicht auf die Reihe bekommen, eine elektronisch getätigte Zahlung einfach mal von A nach B zu transferieren, ohne sich durch irrwitzige Verzögerungstaktiken daran zu bereichern.

Zwei Pakete randvoll mit “Kram” – so kam es mir vor, denn wie immer sahen die Dinge auf Fotos viel besser aus. Naja, dachte ich, wieso sollte es auch gerade bei diesem Einkauf anders sein. Da bemerkte ich, dass die Hose nicht dabei war.

Auf der Rechnung war sie aufgeführt, bezahlt war sie demnach auch, aber in den Kartons konnte ich sie nicht finden. Ich rief also bei der Hotline an, da mir in einem solchen Fall die Kommunikation per E-Mail zu indirekt schien. Das Mädel auf der anderen Seite, an einem Samstagmorgen in irgendeinem Call-Center sitzend, hörte sich mein Klagen an und gab mir folgende Anweisung: Um die gekaufte, aber nicht gelieferte Hose noch zu erhalten, sollte ich eine schriftliche eidesstattliche Versicherung abgeben, die Hose nicht erhalten zu haben.

Im Klartext hieß das: “Wir glauben Ihnen nicht, dass Sie die Hose nicht erhalten haben, da aber weder wir, noch Sie irgendetwas beweisen können, brauchen wir, bevor wir Ihnen die vermeintlich fehlende Hose zuschicken, eine schriftliche Erklärung von Ihnen, damit wir Ihnen – falls es doch noch zu beweisen wäre – gehörig den Arsch aufreißen können.”

Interneteinkäufe werden also spätestens in einer solchen Situation zu einer spannenden Angelegenheit.

UPDATE:
Großes Lob an frontlineshop.com – die fehlende Hose wurde drei Tage später nachgeliefert.

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