Ich sehe tote Menschen, bin ich vielleicht bekifft?
»Haley Joel Osment, bekannt aus dem Film “The Sixth Sense” (1999), wird sich in Kürze vor Gericht verantworten müssen. Der inzwischen 18-jährige Ex-Kinderstar raste stark alkoholisiert gegen einen Briefkasten und brach sich diverse Rippen. Einer unbekannten Quelle zufolge, befand sich zudem eine kleine Menge Marihuana in seinem Besitz.«
Meldungen dieser Art wandern schon seit Wochen durch die Klatschpresse und schüren eine kleine Flamme, um vielleicht einen Waldbrand zu verursachen. Die Medien stürzen sich wieder einmal auf allerlerei Schnickschnack, der niemanden wirklich interessiert, nur um Lesern, Hörern und Zuschauern dem Image einer mehr oder minder bekannten Person des öffentlichen Lebens neue Facetten anzukleben.
Warum ist es wert zu wissen, wer oder wann irgendwo im Suff gegen einen Briefkasten brettert, könnte man sich fragen. Es wurde (außer Osment selbst) niemand verletzt, und ein bedeutender Schaden entstand ebensowenig. Aber vielleicht steckt hinter einer solchen Meldung viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde…
“Home of the Giants” heißt der aktuelle Film, der sich noch in der Post-Produktion befindet und in Kürze in die Kinos kommen soll. Der Film handelt vom Reporter einer High-School-Zeitung Robert “Gart” Gartland (Osment), der einen Artikel über das lokale Basketballteam schreibt. Sein Idol Matt (Ryan Merriman), der Star des Teams, gerät bei der Vorbereitung auf das kommende große Spiel immer mehr unter Druck und rutscht immer tiefer in einen Sumpf aus Drogen und Kleinkriminalität – und “Gart” der Reporter steckt auf einmal mittendrin…
Die Zusammenfassung lässt bereits vermuten, in welche Richtung sich die Story entwickeln wird. Selbst wenn die Handlung noch einige Spannungsbögen bieten mag, birgt der Stoff nichts außergewöhnlich neues. Das scheinen zumindest die Pressemacher zu denken, denen noch kein sonderliches Interesse für diesen Independent-Film zu entlocken war. Die Website des Films homeofthegiants.com scheint akribisch jeden Artikel mit Bezug zum Film zu veröffentlichen, doch sind Meldungen äußerst rar und lassen die Liste dort recht mager aussehen.
Was also könnte man tun, um etwas in die Medien, in die Köpfe der Menschen zu bekommen, worüber niemand berichten will? Schicksale verkaufen sich immer gut. Und negative Presse erfüllt ihren Werbezweck oft sogar noch besser. Und wenn man noch etwas intensiver darüber nachdenkt, neigt man schnell zu wirren Spekulationen:
Um ein Projekt, Produkt, oder auch einen Film auf dem Umweg zu vermarkten, nehme man eine medienwirksame Person mit direktem Bezug zum gewünschten Produkt, etwas Alkohol oberhalb der im Straßenverkehr zugelassenen Grenze und einen kleinen Autounfall. Nachdem man alles miteinander vermischt hat, sollte sich daraus bereits genug Stoff für etwas Marketing ergeben. Fügt man noch eine kleine Menge illegaler Rauschwaren hinzu, kann man relativ sicher sein, dass sich die Presse gierig und blutrünstig darauf stürzen wird, wie man es sonst nur aus Tierfilmen kennt.
Durch geschickte Suggestionen – dem Pool aus Sympathie, Mitleid und Verständnis entnommen – hat man den Großteil der manipulierbaren Konsumgesellschaft schon in der Tasche. Der Rest entwickelt sich dann völlig automatisch…
Was bleibt, ist das dumpfe Gefühl, erneut auf eine Geschichte ohne Wahrheitsgehalt reingefallen zu sein. Oder doch nicht?
Bitte warten ...
DENKT ALLE AN MICH WENN ICH BERÜHMT BIN!!!
meli - 4. September 2006 um 13:23 Uhr